Voraussetzungen der islamischen Kleidung
1. Bedeckung der 'Aura
Das erste Kriterium ist, dass die 'Aura des Körpers bedeckt werden soll. Da die 'Aura bei Männer und Frauen unterschiedlich ist, sind auch die zu bedeckenden Körperteile unterschiedlich.
- " Oh Kinder Adams, Wir haben auf euch Kleidung hinabgesandt, die eure Blöße verbirgt, und Gefieder (d.h..: schmückende Kleidung in Anlehnung an die Federn der Vögel.)..." (Quran 7:26)
Bahaz Ibn Hakim berichtete von seinem Großvater:
- "Ich fragte: "O Gesandter Allahs, was sollen wir von unserer Scham (arab. 'Aura) bedecken und was soll offen bleiben ?" Er antwortete: "Niemand außer deiner Frau oder der, die dir gehört, soll sie sehen." Dann fragte ich: "Und wenn ein paar Leute (auf der Reise) zusammenleben?" Er antwortete: "Bemühe dich, dass niemand sie sieht." Da sagte ich: "Und was , wenn man allein ist?" Er antwortete: "Allah der Erhabene verdient am meisten, dass man sich vor Ihm schämt." (Hadith bei Ahmad, Abu Dawud, Ibn Madscha, Tirmidhi erklärte es für hasan, ebenso Al-Albani)
Es ist nicht erlaubt, dass ein Mann die 'Aura eines Mannes oder eine Frau die 'Aura einer Frau sieht:
Unter Berufung auf Abu Sa'id Al-Khudri (Allahs Wohlgefallen auf ihm), der berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
- "Der Mann sieht nicht die 'Aura des Mannes an, und die Frau sieht nicht die 'Aura der Frau an."
Bei Frauen wird teilweise vertreten, dass der ganze Körper ‘Aura ist [A 6], teilweise werden Gesicht und Hände (bis zu den Handgelenken) vom Bedeckungsgebot ausgenommen. Das Bedeckungsgebot der Frau wird näher im Artikel " Umfang des Hidschabs" erläutert.
Die 'Aura des Mannes erstreckt sich vom Bauchnabel bis zu den Knien.
Von Dscharhad Ibn Al-Aslami wird überliefert, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) zu ihm sagte:
- "Bedecke deinen Oberschenkel, denn er gehört zur 'Aura" (Hadith hasan bei Tirmidhi, Nr.2795)
2. Die Bekleidung muss locker sein und darf nicht die Körperform preisgeben
Die Kleidung soll die 'Aura bedecken und dazu gehört auch, dass man nicht enge Kleidung anzieht, die die Körperform erkennen lässt.
Usama Ibn Zaid (Allahs Wohlgefalleln auf ihm) sagte:
- "Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) gab mir ein dickes ägyptisches Kleidungsstück, das eines der Geschenke war, die ihm von Duhjat al-Kalbi gegeben worden waren, und ich gab es meiner Frau zum Tragen. Er fragte: "Warum sehe ich dich nicht das ägyptische Kleidungsstück tragen ? Ich antwortete: "Ich habe es meiner Frau zum Tragen gegeben." Er sagte: "Sag ihr, dass sie ein Kleid darunter tragen soll, denn ich habe Angst, dass es die Größe ihrer Knochen zeigen könnte." (Hadith bei Ahmad, Nr.21786 und Baihaqi, al-Albani sagte es ist ein Hadith hasan)
Abu Huraira (Allahs Wohlgefalleln auf ihm) berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
- "Zwei Arten von Leuten des Höllenfeuers sehe ich nicht an: Menschen, die mit Peitschen wie Kuhschwänzen die Leute schlagen (d.h. Tyrannen u.ä,) und Frauen, die nackt sind, obwohl sie bekleidet sind; die verführen und verführt werden; deren Haare wie geneigte Kamelhöcker frisiert sind. Diese werden den Paradiesgarten nicht betreten und nicht einmal sein Geruch wird sie erreichen, obwohl er sehr weit reicht." (Hadith bei Muslim, Nr. 2128)
Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
- "Während der letzten Tage meiner Umma werden Frauen da sein, die bekleidet aber doch nackt sind, und ihre Köpfe werden wie Höcker der Kamele sein. Verflucht sie, denn sie sind verflucht."
3. Die Bekleidung darf nicht durchsichtig sein.
Die unter Punkt 2.) aufgeführten Belege (Nr.2 und 3) beziehen sich auch auf durchsichtige Kleidung, da durchsichtige Kleidung die 'Aura nicht bedeckt, sondern im Gegenteil den Körper noch attraktiver machen soll.
Die Bedingung gilt ebenso für Männer, auch wenn sich die genannten Belege speziell auf Frauen beziehen.
Dscharir Ibn 'Abdullah Al-Badschali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte:
- "Ein Mann ist gewiss bekleidet und doch nackt, gemeint ist eine durchsichtige Kleidung." (überliefert von Baihaqi)
4. Die Bekleidung darf nicht der Bekleidung des anderen Geschlechts ähneln
Die Gelehrten stimmen darin überein, dass es Männern nicht erlaubt ist, Frauen nachzuahmen und Frauen es nicht erlaubt ist, Männern nachzuahmen. Die Nachahmung umfasst alle Bereiche des Lebens: die Kosmetik, die Bekleidung, die Verhaltensweisen usw.. Das Nachahmen des anderen Geschlechtes gehört zu den großen Sünden im Islam (arab. al-Kaba'ir). Die Frage, was spezifische Männer- bzw. Frauenkleidung ist, richtet sich nach der Gewohnheit/ dem Brauch und den Vorschriften der Scharia.
Allah der Erhabene sagt im Quran:
- "Allah verfluchte ihn (Anm.: gemeint ist der Satan). Und er sagte: „Ich werde von Deinen Dienern ganz gewiss einen festgesetzten Anteil nehmen, (*) und ich werde sie ganz gewiss in die Irre führen und ganz gewiss in ihnen Wünsche erwecken und ihnen ganz gewiss befehlen, und da werden sie ganz gewiss die Ohren des Viehs abschneiden; wahrlich, ich werde ihnen befehlen, und da werden sie ganz gewiss Allahs Schöpfung ändern." Wer sich den Satan außer Allah zum Schutzherrn nimmt, der hat fürwahr einen offenkundigen Verlust erlitten." (Quran 4:118-119)
Ibn 'Abbas (Allahs Wohlgefallen auf beiden) berichtete:
- "Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) verfluchte diejenigen Männer, die die Frauen nachahmen, und er verfluchte ebenfalls diejenigen Frauen, die die Männern nachahmen."
(Hadith sahih bei Buchari, Nr. 5885)
Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte:
- "Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) verfluchte den Mann, der Frauenkleidung trägt, und die Frau, die Männerkleidung trägt." (Hadith bei Ahmad , Nr. 1309, Abu Dawud und Hakim, der es für sahih erklärte, ebenso al-Albani)
Ibn 'Abbas berichtete:
- "Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) verfluchte die verweiblichten Männer und die vermännlichten Frauen und sagte: »Vertreibt sie aus euren Wohnungen!« Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) wies den Mann Soundso aus dem Haus, und 'Umar wies ebenfalls die Frau Soundso aus dem Haus." (Hadith sahih bei Buchari, Nr. 5886)
5.Die Bekleidung darf nicht der Bekleidung der Kuffar ähneln
a) Keine Ähnlichkeit mit den Kuffar:
Es besteht Einigkeit unter den Gelehrten, dass die Kleidung der muslimischen Frau und des muslimischen Mannes nicht der Kleidung der Kuffar (Sg. Kafir) ähneln darf.
Viele Quranstellen weisen auf dieses Prinzip im Islam hin, das sich nicht nur auf Kleidung bezieht:
- "Wer aber dem Gesandten entgegenwirkt, nachdem ihm die Rechtleitung klargeworden ist, und einem, anderen Weg als dem der Gläubigen folgt, werden Wir dem zukehren, dem er sich zugekehrt hat, und ihn der Hölle aussetzen, und (wie) böse ist der Ausgang! " (Quran 4:115)
- "Weder die Juden noch die Christen werden mit dir zufrieden sein, bis du ihrem Glaubensbekenntnis folgst. Sag: Gewiss, Allahs Rechtleitung ist die (wahre) Rechtleitung. Wenn du jedoch ihren Neigungen folgst nach dem, was dir an Wissen zugekommen ist, so wirst du vor Allah weder Schutzherrn noch Helfer haben." (Quran 2:120)
Unter Berufung auf Ibn Umar, der berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
Unter Berufung auf Abu Sa'id Al-Khudri, der berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
- "Ihr folgt gewiss den Lebensgewohnheiten der (Völker) vor euch, Handbreite um Handbreite, Ellenlänge um Ellenlänge, bis dass ihr ihnen folgen würdet, selbst wenn sie den Weg in das (Erd-)Loch eines Dabb einschlagen würden." Wir sagten: " Oh Gesandter Allahs, die Juden und Christen (sind damit gemeint) ? Er sagte: " Wer sonst?" (Hadith bei Buchari, Nr.7320, Muslim, Nr. 2669) Anm.: Ein "Dabb" ist ein stinkendes Tier in der Wüste.
b) Keine christlichen Kreuze, Bilder:
Auf der Bekleidung dürfen auch keine Kreuze, christl. Darstellungen, Bilder von Tieren oder Menschen und keine unstittlichen Worte aufgebracht sein.
'Aischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) berichtete, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) niemals etwas in seiner Wohnung sah, auf dem es Kreuze gab, ohne dass er dies entfernte. (Hadith sahih bei Buchari, Nr. 5952)
Neben Kreuzen sind auch keine sechseckigen Sterne oder andere religiösen nichtislamischen Symbole erlaubt. Der Name "Nike" ist übrigens der Name der Siegesgottes in der griechischen Mythologie.
Unter Berufung auf Ibn Umar, der berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
- "Wer einem Volk ähnelt, gehört zu ihm. " (Hadith sahih bei Ahmad, Nr. 5114 und Abu Dawud, Nr.4031)
Das Verbot bildlicher Darstellungen ergibt sich aus dem allgemeinen Bilderverbot (von Tieren und Menschen) im Islam:
'Aischa berichtete:
- "Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) kam eines Tages von einer Reise zurück, während ich einen Vorhang mit Bildern aufhing. Er befahl mir, diesen herunterzureißen, und ich riss ihn auch herunter." (Hadith sahih bei Buchari, Nr. 5955)
'Aischa berichtete:
- "Ich kaufte einmal einen Stoff mit Bildern. Als der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) kam, blieb er an der Tür stehen und trat nicht ein. Ich sagte zu ihm: »Ich bin ja bereit, mich reumütig zu Allah zu bekennen, wenn du mir sagst, was ich für eine Sünde begangen habe!« Er erwiderte: »Was ist das für ein Stoff?« Ich sagte: »Damit du dich entweder darauf setzt oder ihn als Kopfkissen verwendest.« Er sagte:» Wahrlich, diejenigen, die diese Bilder gemacht haben, werden am Tage der Auferstehung bestraft. Zu ihnen wird gesagt werden:" Macht das lebendig, was ihr geschaffen habt!" Auch die Engel betreten keine Wohnung, in der sich ein Bild befindet.«" (Hadith sahih Buchari, Nr. 5957)
Ibn 'Abbas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtete:
- "Ich hörte Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagen:» Wer immer in dieser Welt ein Bild (Anm.: von Mensch und Tier) macht, wird am Tage der Auferstehung aufgefordert werden die Seele in das Bild einzuhauchen, und er wird keine Seele hineinhauchen können!«" (Hadith sahih bei Buchari, Nr. 5963)
Das Tragen von Kleidern mit Darstellungen von Tieren und Menschen ist gemäß der Schafi'itischen Fiqh-Schule haram, das Gleiche gilt für die korrekte Ansicht in der Hanbalitische Fiqh-Schule. In der Hanafitische Fiqh-Schule sind diese ebenfalls haram, allerdings sollen davon kleine, undeutliche Bilder ausgenommen sein.[1]
Vom Verbot sind Darstellung von Tieren und Menschen ausgenommen, die so verunstaltet sind (z.B. ohne Kopf), dass das dargestellte Lebewesen so nicht leben könnte.
Einige Gelehrte erlauben auch Bilder, wenn diese so dargestellt werden, dass eine Geringschätzung zum Ausdruck kommt, z.B. die Darstellung von Tieren auf Kinderschuhen (anders als beim Aufhängen von Bildern, besteht hier nicht die Gefahr einer besonderen Verehrung, da die Bilder mit Dreck und Staub beschmutzt werden.) [4]
c) Keine unislamischen Sprüche
Auf der Kleidung sollten sich keine unislamischen Sprüche befinden, wie z.B. der Aufruf zum Alkoholkonsum oder Unzucht. Erst recht sollte keine Kleidung mit Sprüchen getragen werden (z.B. auf englisch), deren Bedeutung der Träger nicht versteht.
6.Die Bekleidung darf kein Prunkgewand sein
Unter Prunkgewand versteht man jedes Gewand, das man anzieht, um andere damit zu beeindrucken. Oder anders gesagt: Jedes Gewand, durch das sich der Träger vom Normalbürger seiner Gesellschaft unterscheidet und dadurch auffällt, indem auf ihn gezeigt wird.[1]
Das Tragen einer solchen Kleidung ist haram[5]:
Es wird überliefert, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte:
- "Am Tag der Auferstehung wird Allah den, der Prunkgewänder trägt, mit den Gewändern der Erniedrigung bekleiden." (Hadith bei Ahmad, Abu Dawud, An-Nasa'i, Ibn Madscha)
Jemand fragte den Sahabi Ibn Umar (Allalhs Wohlgefallen auf ihm):
- "Was für Kleider soll ich tragen?" Ibn Umar antwortete: "Solche, die nicht die Geringschätzung der Unverständigen bewirken (Anm.: weil sie wertlos und schäbig sind), und nicht den Tadel der Weisen (Anm.: weil sie extravagant sind)." ( überliefert bei At-Tabarani) .
Wie das Hadith zeigt, ist damit auffällige Kleidung gemeint, egal, ob sie sich durch Schäbigkeit oder Extravaganz auszeichnet. Man unterscheidet daher verschiedene Arten:
- Außergewöhnlich extravagante Kleidung.
- Außergewöhnlich schäbige Kleidung.
- Kleidung, die der im Lande üblichen Kleidung widerspricht,
- Kleidung, die auf eine ungewöhliche Weise getragen wird, z.B. T-Shirt wird verkehrt herum getragen.
- Kleidung, die übertrieben witzig sein soll.[1]
Was genau unter einem "Prunkgewand" zu verstehen ist, variiert von Gesellschaft zu Gesellschaft und von Zeit zu Zeit. Folgende drei Dinge sind bei der Einschätzung, ob ein "Prunkgewand" vorliegt zu beachten:
- Das Gewand wird in der Absicht getragen, besonders aufzufallen, Berühmtheit zu erlangen oder sich von den Leuten zu unterscheiden.
- Es wird entgegen der üblichen Art der Bekleidung der Bevölkerung des Landes getragen, ohne dass hierzu eine Veranlassung besteht (z.B. wegen starker Kälte).
- Es wird getragen, um den Träger bewusst schäbig erscheinen zu lassen, wie z.B. jemand, der immer ein einfaches Gewand aus Schafwolle trägt, um damit seine Askese zum Diesseits auszudrücken.
Nicht darunter fällt natürlich, wenn ein Muslim - entgegen der Sitte seines Landes - z.B. keine engen Jeans trägt, die über die Knöchel reichen, sondern islamische Kleidung. Dies stellt kein Prunkkleid dar, sondern die Rückkehr zur reinen Sunna und der natürlichen Fitra.
Der Muslim, der in einem islamischen Land wohnt, sollte die gewöhnliche islamische Kleidung seines Landes tragen, wenn diese mit der Scharia vereinbar ist.[1]
Quelle: Islam-Pedia










